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„Es ist etwas Besonderes, wenn man mit Menschen arbeitet“

Viola Hübner in einem Beratungsgespräch

„Während dem Abitur habe ich in den Ferien hier als Produktionshelferin mitgeholfen.“

Das war für Viola der Einstieg in die Behindertenhilfe. Eigentlich war das nie ihr Plan. „Wenn jemand – wie ich – Wirtschaftsabitur macht, da liegt das nicht so nahe, dass man Sozialpädagogin wird.“ Was sie dann doch für den Beruf begeistern konnte, beschreibt sie so: „Ich bin sehr kommunikativ und ich mag es, mit Menschen zusammen zu sein. Auch im privaten Bereich kenne ich Menschen mit Behinderung, da hatte ich nie Berührungsängste. Als ich den Ferienjob hier gemacht habe, war das nochmal ein intensiverer Kontakt. Da habe ich gemerkt, das liegt mir und macht mir Spaß. Ich finde es auch schön zu sehen, was ich mit meiner Arbeit bewirken kann. Das ist doch etwas Besonderes, wenn man mit einem Menschen arbeitet und sich dadurch sein Leben ändern kann. Das hat mir irgendwie einen Sinn gegeben. Meine Arbeit ist ein wichtiger Teil, der dazu beiträgt, dass Menschen mit einer Einschränkung Teil haben können, gerade auch im Arbeitsleben.“

„Bei mir ist jeder Tag und jede Woche anders“

„Was den Sozialdienst ausmacht, ist sehr schwierig zu erklären. Ich bin auf jeden Fall für die Klienten hier am Standort zuständig. Der Sozialdienst ist beratend und begleitend für die Menschen mit Behinderung tätig. Manchmal gibt es zum Beispiel Themen, die der Klient nicht mit dem Gruppenleiter besprechen kann oder möchte. Dann holt man den Sozialdienst. Ich moderiere oft Gespräche und Beschäftigtengespräche, das sind Mitarbeitergespräche mit den Beschäftigten. Oder ich führe Praktikums-Auswertungen durch, wenn ein Klient ein Praktikum machen möchte. Ich organisiere den Fahrdienst oder ich kümmere mich um Anträge. Außerdem korrigiere ich Berichte und prüfe die Berichte, die an den Kostenträger rausgehen. Man kann schon sagen, dass ich viel Verwaltungsarbeit habe aber auch den Klientenkontakt. Ich bin auch dafür da, Probleme zu lösen. Der Sozialdienst bringt fachliche Themen ein, zum Beispiel schauen wir, wie das Bundesteilhabegesetz unsere Einrichtung betrifft und wie wir das umsetzen können. Wir kümmern uns um das Qualitätsmanagement und entwickeln Formulare. Ich bin auch für das Anfragemanagement zuständig, das heißt, wenn jemand mit der Schule fertig ist oder auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht arbeiten kann, dann meldet er sich bei mir und ich vermittle ihm einen Platz in einer Werkstatt. Einen typischen Tag gibt es im Sozialdienst absolut nicht. Bei mir ist jeder Tag und jede Woche anders. Aber das finde ich auch toll daran. Und es ist selten so, dass ich den ganzen Tag in meinem Büro sitze, ich bin auch viel unterwegs.“

„Ich begegne Menschen mit viel weniger Vorurteilen“

Auch privat hat Viola ihr Studium weitergebracht. „Als Sozialdienst muss man schon Gespräche moderieren können, man muss die Einrichtung präsentieren können und kommunikativ gut sein. Und all das hilft mir natürlich auch im Privaten weiter. Ich bin zum Beispiel Vorständin in einem Verein. Da merke ich, dass vieles von dem, was ich während meiner Ausbildung gelernt habe – Gesprächsführung oder Koordination – auch in meinem Amt gut umsetzen kann. Ich begegne Menschen mit viel weniger Vorurteilen und ich finde, dass mir manche Klienten einen anderen Blick auf viele Dinge geben, wo ich vielleicht zu verschachtelt oder zu starr denke. Wir sollten manchmal einfach unbeschwerter sein. Da können wir viel von unseren Klienten lernen.“ Aber auch sonst bekommt Viola von ihren Klienten viel Dankbarkeit zurück. „Als ich in eine Abteilung gekommen bin, wurde schon applaudiert, weil sie sich so gefreut haben, mich zu sehen. Und vor Corona gab es auch mal die ein oder andere Umarmung.“

„Ich bin der Meinung, jeder sollte ein FSJ in solchen Einrichtungen machen, um seine Vorurteile abzubauen. Das Problem ist, dass die meisten Menschen wenig Kontakt zu Menschen mit Behinderung haben und dadurch Ängste und Vorurteile entstehen. Kontakt baut diese Barrieren ab, das war bei mir auch so. Wenn man regelmäßig Kontakt hat und merkt, die sind genauso wie ich und total nett, dann wird das normal. Deshalb würde ich jedem empfehlen, in einem sozialen Bereich Erfahrungen zu sammeln.“