Arbeiten in der Behindertenhilfe

"Hier sind alle positiv gestimmt und es wird viel Wert auf offene Kommunikation gelegt".

Cornelia Kaschuk in ihrer Wohngruppe in Fluorn-Winzeln.

Zeitpunkt für eine berufliche Neuorientierung

Cornelia Kaschuk arbeitet seit Januar 2021 in einer längerfristig intensiv betreuten Wohngruppe für erwachsene Menschen mit Behinderung der BruderhausDiakonie in Fluorn-Winzeln. Beruflich ist das für sie eine neue Richtung, denn sie verbrachte die meiste Zeit ihres Arbeitslebens als Gesundheits- und Krankenpflegerin in verschiedenen Krankenhäusern und im ambulanten Dienst. Durch die Fachweiterbildung in der Intensivpflege und Anästhesie arbeitete Cornelia Kaschuk mehrere Jahre in der Intensivmedizin. Sie sammelte dort Erfahrungen und konnte diese auch im Fachbereich der Palliativmedizin einbringen. Cornelia Kaschuk betreute viele Menschen, die auf lebensverlängernde Maßnahmen angewiesen waren. „Irgendwann hatte ich einfach genug vom Maschinellen und den vielen Schläuchen und sehnte mich danach mobile Patientinnen und Patienten zu betreuen und eine beständige Gruppe zu begleiten“, erzählt sie.

Hospitation in Wohngruppe gibt Einblicke in die Arbeitsabläufe  

Cornelia Kaschuk recherchierte im Internet und entdeckte eine Stellenanzeige der BruderhausDiakonie. Kurz nach dem Bewerbungsgespräch bekam sie die Möglichkeit in einer Wohngruppe für längerfristig intensiv betreute erwachsene Menschen mit Behinderung zu hospitieren, um einen ersten Einblick in die Abläufe zu bekommen. Das darauffolgende Jobangebot nahm sie gerne als Chance an. In der Einarbeitungszeit war Cornelia Kaschuk zunächst als zusätzliche Fachkraft im Schichtdienst eingeteilt, um sich im neuen Bereich einfinden zu können, die Bewohnerinnen und Bewohner kennenzulernen und mit dem Team und dem Tagesablauf vertraut zu werden. „Je nach Vorkenntnissen und Bedarf, wird die Einarbeitungszeit angepasst. Das gibt einem sehr viel Sicherheit“, berichtet sie. Inzwischen ist Cornelia Kaschuk die alleinige Fachkraft im Schichtteam: „Ich lerne nun selber zu Laufen - das ist ein andauernder Prozess, aber ich fühle mich richtig hier. Es ist eine Herzenssache für mich“, betont sie.

„Es macht mir viel Freude und Spaß, auch wenn die Arbeit manchmal sehr herausfordernd sein kann.“

Die Frühschicht beginnt um 6.30 Uhr und startet mit der Übergabe der Nachtschicht. Danach verschaffen sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einen Überblick über die anstehenden Aufgaben des Tages wie zum Beispiel Arzttermine, Bestellungen, Einkäufe oder Fußpflege und besprechen sich mit ihren Kolleginnen und Kollegen. Eine Person richtet das Frühstück, während die andere mit der Pflegerunde beginnt. Die Frühstückszeiten müssen für bestimmte Bewohnerinnen und Bewohner aufgrund ihrer besonderen Bedürfnissen sehr genau eingehalten werden – andere frühstücken im Lauf des Vormittags im gemeinsamen Speiseraum. Ab 9 Uhr werden die ersten Klientinnen und Klienten in den Förder- und Betreuungsbereich oder zum Bus, der sie zur Werkstatt bringt, gebracht. Auch in dieser Zeit werden sie begleitet, damit die Gefahr einer Selbst- oder Fremdaggression frühzeitig von der betreuenden Kraft erkannt und verhindert werden kann. Wenn alle Bewohnerinnen und Bewohner aus dem Haus sind, dokumentiert Cornelia Kaschuk die durchgeführten Assistenz- und Unterstützungsleistungen am Computer.

„Wir versuchen immer die Selbsttätigkeit zu stärken, auch wenn das Zeit in Anspruch nimmt“.

Mit Beginn der Spätschicht finden sich die Bewohnerinnen und Bewohner nach wieder im Haus ein und es findet eine kurze Übergabe mit der Betreuerinnen oder dem Betreuer statt. Im Anschluss stehen das Richten des Abendessens, das Versorgen der Wäsche oder das Durchführen des individuellen Therapieprogramms an. Die Klientinnen und Klienten essen in zwei Gruppen zu Abend, damit es ruhiger und die Situation überschaubarer bleibt. Auch beim Essen benötigen einige Bewohnerinnen und Bewohner Unterstützung. „Wir versuchen immer die Selbsttätigkeit zu stärken, auch wenn das Zeit in Anspruch nimmt. Die Bewohnerinnen und Bewohner sollen spüren, wie sie selber tätig sein können", sagt Cornelia Kaschuk.

„Mit Menschen zusammen zu sein und gemeinsam Ergebnisse zu erzielen – gerade das gefällt mir so gut.“

Vor allem der Austausch und die Kommunikation mit den Bewohnerinnen und Bewohnern gefallen Cornelia Kaschuk an ihrer Arbeit: „Wir arbeiten zwar viel mit Sprache, aber ich lerne hier auch ganz viel über meine innere Haltung. Das, was ich ausstrahle, färbt auf die Bewohnerinnen und Bewohner ab. Ich habe hier gelernt die Menschen wertfrei so anzunehmen, wie sie sind. Denn Helfen ist auch eine Haltung – Helfen heißt auch, zu akzeptieren, dass jede/jeder so sein darf, wie sie/er ist.“ Auch wenn die Arbeit manchmal anstrengend ist, lautet Cornelia Kaschuks Motto: „Heute, hier und jetzt. Gerade wenn mal etwas vorgefallen ist – wenn eine Bewohner oder einen Bewohner einen beleidigt oder ausfällig wird – darf das nicht auf neue Situationen übertragen werden“. Außerdem schätzt sie sehr, dass das gesamte Netzwerk der BruderhausDiakonie unterstützend wirkt. „Hier sind alle positiv gestimmt und es wird viel Wert auf offene Kommunikation gelegt. Bei Fragen oder Schwierigkeiten kann ich immer zu meiner Stationsleitung gehen – sie ist sehr präsent“, hebt sie hervor.