Freiwilliges Soziales Jahr in der Heilerziehungspflege

„Jetzt bin ich mir sicher, das Richtige für mich gefunden zu haben.“

Rieke Bertsch vor dem Gebäude ihrer Wohngruppe in Reutlingen.

„Ich wollte durch das FSJ Erfahrungen sammeln und schauen wo es mich in der Zukunft dann beruflich hinzieht.“

Nach dem Abitur und einer Reise begann Rieke Bertsch ihr FSJ in der geschlossenen Wohngruppe der BruderhausDiakonie Reutlingen. Die 19-jährige wollte schon immer mal mit Menschen mit Behinderungen arbeiten, da sie privat in diesem Bereich nur wenige Berührungspunkte hatte. „Ich wollte durch das FSJ Erfahrungen sammeln und schauen wo es mich in der Zukunft dann beruflich hinzieht.“ Nach einer einmonatigen Einarbeitung bereitet sie nun im Früh- oder Spätdienst selbstständig Mahlzeiten für die Klienteninnen und Klienten zu, hilft ihnen mit dem Haushalt oder geht mit ihnen spazieren.

„In den ersten Wochen musste ich bei einigen Klienten auf Abstand gehen, bis sie sich an mich gewöhnt hatten. Das ging bei manchen ziemlich schnell, bei anderen hat es lange gedauert. Weil die Klientinnen und Klienten autistisch sind, ist unsere Wohngruppe generell sehr reizarm aufgestellt. Bei uns gilt: weniger ist mehr. Ich habe die meisten Berührungspunkte mit ihnen in der Pflege. Wenn diese dann länger dauert, lernt man die Klientinnen und Klienten viel besser kennen. Man verbringt viel Zeit mit ihnen. Das ist echt schön“, erzählt sie.

„Ich würde mittlerweile alles für die Wohngruppe tun“
Tagsüber sind die meisten Klientinnen und Klienten im Förder- und Betreuungsbereich (FuB) oder in einer Werkstatt. In der freien Zeit macht Rieke Bertsch dann gerne mit ihnen gemeinsam kleinere Ausflüge. Im Sommer war sie mit einigen Klienten, Klientinnen, Kolleginnen und Kollegen in einem Spaßbad und berichtet begeistern davon: „Jeder Klient hatte einen Mitarbeitenden der sich um ihn kümmerte. Das war richtig schön, weil alle das Wasser so sehr mochten“. „Es ist generell sehr familiär. Man bekommt richtig viel zurück. Auch wenn mal während der Schicht nichts passiert, ist es trotzdem schön ein Lächeln auf den Gesichtern zu sehen. Ich würde mittlerweile alles für die Wohngruppe tun, auch in meiner freien Zeit“, erzählt sie.

Ursprünglich wollte Rieke Bertsch Grundschullehramt studieren. „Zwischendurch hatte ich die Idee Soziale Arbeit in Kooperation mit der Dualen Hochschule bei der BruderhausDiakonie zu studieren. Da es mir hier so gut gefällt, habe ich mich aber nun entschlossen eine Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin zu machen. Meine Kolleginnen und Kollegen haben mich auf diesen Pfad gebracht. Ich bin mir nun sicher, das Richtige für mich gefunden zu haben“, sagt sie. Ihr Wunsch ist es, das erste Ausbildungsjahr in ihrer jetzigen Wohngruppe absolvieren zu können. Da die Ausbildung erst im Herbst beginnt, würde sie ihr FSJ bis dahin gerne erneut verlängern. Rieke Bertsch empfiehlt jedem einen Freiwilligendienst in der Heilerziehungspflege, da der eigene Horizont erweitert wird: „Ich habe jetzt einen ganz anderen Blick auf mich und mein Leben. Wenn man sieht, wie die Klientinnen und Klienten sich schon über Kleinigkeiten freuen, dann schätzt man erst, was man eigentlich alles im Leben hat“, betont sie.