Ausbildung Heilerziehungspflege

„Kleinigkeiten und kleine Momente lerne ich hier zu schätzen.“

Am liebsten spielt Natascha Keil mit ihren Klientinnen und Klienten eine Runde Mensch-ärgere-dich-nicht.

„Ich dachte mir: Cool, das will ich eigentlich auch. So etwas bewirken.“

Während ihrer Schulzeit am Berufskolleg für Gesundheit und Pflege trifft Natascha Keil zum ersten Mal mit dem Themenbereich Menschen mit Behinderungen in Kontakt. Ein Video von einer Frau mit Assistenzbedarf, der es durch eine Pflegekraft ermöglicht wird zu studieren, ist ausschlaggebend für ihre berufliche Zukunft. „Ich dachte mir: Cool, das will ich eigentlich auch. So etwas bewirken. In einem Bürojob kommt man, sitzt, macht und geht wieder. Und hier, selbst wenn ich nach einem Jahr wieder weg bin, habe ich trotzdem irgendwas im Leben dieser Menschen bewegt. Irgendetwas, an das sie sich erinnern. Dass ich ein Teil davon war. Und nicht nur ein Teil von irgendwelchen Zahlen", erzählt sie. Beim Messestand der BruderhausDiakonie auf der Jobs4Future in Schwenningen reicht Natascha Keil schließlich ihre Bewerbung ein und beginnt einen Bundesfreiwilligendienst beim Kompetenz- und Bildungszentrum in Villingen. Im Tageszentrum „KoBiZ“ betreute und begleitete sie Klienten und Klientinnen mit Behinderung und war verantwortlich für das Kreativangebot: „Ich kann den Bundesfreiwilligendienst nur empfehlen. Das war eine super Erfahrung. Mal ein Jahr lang in diesem Beruf zu arbeiten ist auch wichtig. Nach einer Woche Praktikum haben die Klienten sich noch nicht an einen gewöhnt. Man ist noch nicht so drin, noch nicht so selbstständig und kann noch nicht so viele Dinge in die Hand nehmen. Wenn man dann mal für ein Jahr dort ist, kann man auch besser eingeplant werden. Das Jahr war die beste Entscheidung, die ich treffen konnte".

„Mittlerweile könnte ich mir gar nicht mehr vorstellen, etwas anderes zu machen.“

Im September 2020 begann Natascha Keil ihre Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin in der Behindertenhilfe und sozialpsychiatrischen Hilfe in Vöhrenbach. Neben der Zubereitung von Speisen, dem Haushalt, der Körperpflege oder tagesabhängigen Aufgaben wie Einkaufen, gefällt ihr vor allem die freie Zeit mit den Bewohnerinnen und Bewohnern. Wichtig ist es ihr, mit den Menschen zu sein und nicht nur um sie herum. Dann gibt es Platz für Gespräche, eine Runde Mensch-ärgere-dich-nicht oder alte Geschichten. „Wenn Bewohnerinnen oder Bewohner einem dann erzählen was sie früher alles gemacht haben, dann merkt man, dass sie richtig aufblühen, wenn sie jemanden haben, der ihnen zuhört. Das ist dann schon schön sich dafür Zeit nehmen zu können. Mittlerweile könnte ich mir gar nicht mehr vorstellen etwas Anderes zu machen. Der Beruf gibt eine sehr viel Selbstständigkeit und man wird viel aufgeschlossener. Manchmal schau ich die Bewohner an, wie sie sich über einfache Dinge wie einen Geburtstag wochenlang freuen. Das ist für sie ein Highlight. Kleinigkeiten und kleine Momente lerne ich hier zu schätzen", berichtet sie.

„Ich habe ein echt tolles Team.“

Während ihrer Ausbildung kann sich Natascha Keil stets an ihre Anleiterin wenden. „Ich habe ein echt tolles Team. Man kann immer Rücksprache halten, zu welchem Thema auch immer. Es gibt einem hier echt jeder irgendwo Halt. Ich habe überhaupt nicht das Gefühl verloren zu sein. Wenn ich jetzt ein Problem hätte, ich wüsste eigentlich immer, dass ich zu jemandem hingehen kann", sagt sie. Wenn Natascha Keil ihre Ausbildung abgeschlossen hat möchte sie gerne noch studieren. Am liebsten Sonderlehramt oder Heilpädagogik. Eine Fort- oder Weiterbildung zur Bildungsassistentin käme auch in Frage. „Da gibt es viele Möglichkeiten wie ich nach der Ausbildung weiter verfahren kann.“ Sie würde jedem empfehlen einfach mal in den Bereich Pflege reinzuschauen. „Wenn man auch nur ein bisschen Interesse daran hat und wenn es auch nur ein Tag ist oder eine Woche, man verliert ja nichts. Das gibt einem ein ganz anders Bild, wenn man dann mal sieht, wie es wirklich ist. Und dass es nichts ist, vor dem man zurückschrecken muss", betont sie.